Pädagogisches Konzept
1.) Einleitung
Der Waldkindergarten entstand aus einer privaten Elterninitiative im Jahr 1998. Die
Betriebserlaubnis wurde der Einrichtung im Jahr 1998 (zunächst befristet) sowie
Anfang 2000 (unbefristet) durch das Landesjugendamt erteilt.
Träger der Einrichtung ist der Verein "Trollgarten e.V.- Waldkindergarten der
Gemeinde Nienhagen".
Der Verein leistet in ehrenamtlicher Arbeit die Organisation und Verwaltung der
Einrichtung. Er steht in Verantwortung für die Finanzierung der Einrichtung und die
Arbeitsplätze des Fachpersonals. Damit sichert der Verein den Rahmen für die zu
leistende pädagogische Arbeit. Zur Durchführung der pädagogischen Arbeit (im
wesentlichen Betreuung der Kinder) beschäftigt der Verein zwei Erzieherinnen.
Entscheidend für die Existenz der Einrichtung ist neben dem Engagement der
Vereinsmitglieder die Unterstützung durch die Gemeinde Nienhagen sowie weiterer
Privatpersonen (Waldbesitzer) und Institutionen (Ausweichunterkunft
ev. Laurentiusgemeinde). Die größte finanzielle Unterstützung (ca. 55% der
Gesamtkosten) erfolgt durch die Gemeinde Nienhagen, die einen
Betriebskostenzuschuss in Höhe der durch die vorgenannten Einnahmequellen
nicht gedeckten Kosten gewährt. Zur Finanzierung der Personalkosten erhält
der Verein Zuschüsse des Landes und des Landkreises. Weitere Einnahmequellen
bilden Elternbeiträge sowie Mitgliedsbeiträge und Spenden.
2.) Beschreibung des Nienhagener Waldkindergartens "Trollgarten e.V."
Unser Waldkindergarten soll eine Alternative zum Regelkindergarten sein. Mit dem Schwinden natürlicher, unverplanter Bewegungsräume im häuslichen Umfeld der Kinder wird es immer wichtiger, dem eigeninitiativen, naturverbundenen Spielen im Freien breiten Raum zu geben. Die Natur bietet alternative Bewegungsanlässe, die die motorischen Fähigkeiten von Kindern herausfordern und erweitern. Sinnliche Erfahrungen des Tastens, Riechens, Fühlens, Hörens und Sehens werden fast selbstverständlich gewonnen. Ein Waldkindergarten ist somit in besonderer Weise geeignet, ganzheitliche Erziehung zu verwirklichen sowie eigeninitiatives und eigenverantwortliches Handeln zu fördern und zu fordern.Leitziele
Es ist das Ziel unseres Kindergartens, dem Kind zu helfen, entsprechend seiner individuellen, altersgerechten Möglichkeiten sein Leben selbständig und selbstverantwortlich aber nicht ohne Rücksichtnahme auf Gemeinschaft und Umwelt zu gestalten.
Im Waldkindergarten sollen die Kinder
- sich zu selbstbewussten, offenen und kritischen Persönlichkeiten entwickeln, die in unserer immer komplizierter werdenden Medien- und Konsumgesellschaft in sich ruhen.
- die Natur und Umwelt nicht als etwas Abstraktes und Theoretisches erfahren, sondern sie hautnah erleben und sie im Sinne des Wortes " begreifen " und den respektvollen Umgang ihr erfahren.
- die Natur mit allen Sinnen erfahren und auf diese Weise ein besonderes Selbstwertgefühl und emotionale Stabilität erhalten.
- die Natur als ihre Lebensgrundlage und Ihre Bedeutung für die Gesundheit begreifen lernen und einen lustvollen und verantwortungs-bewussten Umgang mit ihr erfahren.
- durch den hohen Aufforderungscharakter des Waldes/der Natur (es gibt kaum vorgefertigten Spiel- oder Bastelmaterialien) eigene Spielideen umsetzen. Das für die Spiel- und Bastelidee benötigte Material wird erst entdeckt bzw. herausgesucht und einer anderen als seiner ursprünglichen, nämlich einer seiner Idee entsprechenden Funktion zugeordnet: z.B. ein Baumstumpf ist ein Tisch oder Herd, ein Stock ist eine Angel, Blätter sind Fische usw. Die Fantasie und Ausdauer im Spiel werden gefördert.
- im Raum mit vielfältigem Angebot ihren natürlichen Bewegungsdrang entdecken, ausleben und mit ihm experimentieren.
Die ErzieherInnen sollen in ihrer täglichen Arbeit mit den Kindern deren Ich-, Sozial- und Sach-kompetenz fördern.
Spezifische Elemente des Waldkindergartens
Die Kinder bewegen sich täglich in der Regel vier bis fünf Stunden in frischer Waldluft. Die erholsame Umgebung stärkt nachweislich die körperliche wie auch seelische Gesundheit, besonders das Immunsystem. Die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten wird verringert. Die Bewegung im Freien kann sich auch positiv auf Kinder auswirken, die unter Allergien leiden. Darüber hinaus beugt es den in unserer heutigen Sitzkultur zunehmend auch schon in Kindheit und Jugend auftretenden Haltungsschäden vor. Durch die Bewegung in unebenem und ständig wechselndem Terrain wird die Muskulatur gekräftigt und die Körperbeherrschung gefördert.
Der natürliche Bewegungsdrang kann ungehindert ausgelebt werden. Der Freiraum im Wald bietet den individuellen Bewegungsbedürfnissen der Kinder eine Vielfalt an Möglichkeiten. Somit kann jedes Kind nach seinem eigenen Tempo und Bedürfnis agieren.
Die Kinder können Stille erleben, die in der heutigen Zeit ungewohnt ist. Sie ist jedoch von unschätzbarem Wert, z.B. für die allgemeine Differenzierung des Wahrnehmungsvermögens, für das Finden von Stabilität durch innere Ruhe, für die Förderung der Konzentration.
Die Kinder können im Wald für innere und äußere Vorgänge sensibilisiert werden. Ein Kindergarten ohne Wände und Türen trägt dazu bei, dass sich Aggressionen gar nicht erst aufstauen und zu Stress führen.
Unmittelbares Erleben, eigene Erfahrungen mit allen Sinnen anstelle von Projektionen aus zweiter Hand (Fernseherlebnisse, Bücher, Erzählungen) geben Selbstwertgefühl, lassen Kräfte bewusst werden und erweitern den eigenen Handlungsspielraum.
Die Beschäftigung mit den multifunktionellen Naturmaterialien, das Spielzeug der Kinder im Wald, weckt Intuition und fordert die Fantasie und Kreativität der Kinder.
Der Kreislauf der Natur, der behutsame Umgang mit jeder Art von Leben, wird direkt und im unmittelbaren Erleben begriffen. Nur das Leben in der Natur / im Wald kann eine verständnisvolle Beziehung zur Natur wecken. Im kognitiven Bereich bietet die Natur / der Wald vielfältige Möglichkeiten. Das unmittelbare Erleben der Jahreszeiten, des Wetters auf die Natur lassen sich im Wald besonders gut beobachten. Die Kinder werden mit den Rhythmen der Pflanzen und den Lebensgewohnheiten der Tiere vertraut. Sie müssen zuerst sehen, berühren und erleben, bevor sie Erklärungen aufnehmen. Somit werden sie ganz natürlich neugierig, motiviert und lernwillig gemacht.
Neben den üblichen Regeln des Umgangs miteinander gibt es im Waldkindergarten noch vielfältige andere Regeln, deren Sinnhaftigkeit aus unmittelbarer Anschauung nachvollziehbar wird. Das betrifft den Umgang mit Pflanzen und Tieren ebenso wie das allgemeine Verhalten im Wald.
Die Gruppe besteht aus 15 Kindern, in der sie lernen, sich zurecht zu finden, sich durchzusetzen, abzugrenzen, einander zu helfen und Verantwortung zu übernehmen.
Auch im Waldkindergarten wird für die verschiedensten Sprechgelegenheiten gesorgt, z.B. Erzählen von Geschichten, Gedichten und Märchen, das Singen von Liedern, Finger- und Rollenspiele. Das Rollenspiel nimmt häufig einen großen Raum ein, da etliche Märchen im Wald spielen und die Kinder motiviert sind, diese nachzuspielen.
Außerdem gibt die Umgebung immer wieder Anlass, Fragen zu stellen.
Vorbereitung auf die Schule
Die Feinmotorik, die für das Führen einer Schere und das Halten von Stiften wichtig ist, üben die Kinder, wenn sie z.B. Tannennadeln oder Steinchen aufsammeln, Schnüre oder Halme miteinander verknoten und verflechten oder mit dem Sparschäler kleine Äste bearbeiten.
Auch an das "Stillsitzen" werden unsere Waldkinder herangeführt. Es gibt hier verschiedene Anlässe, bei denen gesessen wird (Bücher vorlesen, Bücher betrachten, frühstücken, beim Beobachten von kleinen Insekten, basteln).
Farben, Formen und Zahlen erleben die Kinder im Jahreszeitenlauf, wenn sie im Herbst mit bunten Blättern Bilder legen, mit Stöckchen im Sand malen, Steine und Tannenzapfen zählen.
Die Bewegungsvielfalt, die ihnen der Wald bietet, kann keine Turnhalle ersetzen.
Das Waldgelände
Das uns zur Nutzung überlassene Waldstück liegt gut erreichbar am nordwestlichen Ortsrand von Nienhagen. Es verfügt über zahlreiche kleine Wege und besteht im wesentlichen aus hellem Nadelwald, der stellenweise gut begehbar und durch Lichtungen unterbrochen ist.
Die Ausweichunterkünfte
Unsere 18,3 qm große Troll-Laube hat für alle Kinder Sitzmöglichkeiten und dient als Ausweichmöglichkeit bei sehr schlechtem Wetter oder für spezielle Angebote. Im Wagen werden bspw. Materialien und Wechselkleidung gelagert. Die Troll-Laube ist mit einer Gasheizung ausgerüstet.
Darüber hinaus können wir bei extremen Wetterlagen (Sturm, Eiseskälte) einen Raum im Laurentiushaus (Ev. Kirchengemeinde Nienhagen) nutzen.